Review: Camtasia:Mac 1.0 – Screencasting macht Spaß
Beruflich hatte ich in den vergangenen Jahren viel mit Schulungsmaterialien zu tun und habe das ein oder andere Tutorial auf die Beine gestellt. Anfänglich war ich ein großer Fan von Adobe Captivate, aber in den letzten Monaten habe ich auf Camtasia Studio 6 umgeschwenkt und möchte gar nicht mehr zurückblicken.
Als Camtasia:Mac herauskam musste ich es einfach ausprobieren. Aber dabei darf man einfach nicht vergessen, dass hinter Camtasia Studio 6 10 Jahre Entwicklungsarbeit stecken, ein sehr ausgereiftes Produkt. Camtasia:Mac ist in seiner ersten Version erschienen. Das kleine Bruder-Syndrom darf also die eigenständige Bewertung nicht beeinflussen, aber verhindern kann man es leider nicht.
Mein erster Eindruck ist mehr als nur ordentlich, das Produkt kann etwas und dennoch kann ich mir nicht helfen und vergleiche im Hinterkopf mit dem Windows-Gegenstück. Das müsst Ihr mir verzeihen, und ich lasse es nicht all zu sehr in die Bewertung einfliessen, denn die vergleiche zeigen nur, wo die Reise hingehen könnte.
Die Gute Nachricht vorweg: Camtasia:Mac ist kein Mac-Clone einer Windows-Applikation. Diese App ist 100% Mac, da gibt es keinen Zweifel und dafür bin ich den Entwicklern dankbar. Ich habe zu viele schlechte Clones gesehen.
Wenn Du Camtasia:Mac startest, bekommt Du ein kleines Fenster, dass Dir sofort erlaubt mit der Aufzeichnung zu beginnen und einige Einstellungen zu verändern.
Camtasia:Mac nimmt immer Deinen gesamten Bildschirm auf, einer der ersten merkbaren Unterschiede zur Windows Version. Ich habe lange mit mir gehadert, ob das eine gute Wahl ist, oder eine schlechte. Ich denke mal – mitten drin.
Und hier ist der Grund: Wenn Du auf dem Mac eine Applikation aufnimmst, dann brauchst Du das Menü und das ist immer ganz oben. Auf der anderen Seite, vielleicht willst Du ja gar kein Menü, vielleicht interessiert Dich nur der Inhalt. Ihr seht also, ein Problem.
Das Problem lässt sich beim editieren ein wenig verringern, da Du reinzoomen kannst und genau dafür braucht Camtasia:Mac den zusätzlichen Bildinhalt, Pan & Zoom – meine Lieblingsfunktion.
Anyhow, ich habe gute Nachrichten. Ich hatte eine längere eMail-Unterhaltung mit dem Produkt-Manager für Camtasia:Mac und selbstverständlich hat er mir keine Geheimnisse verraten, aber ich gehe mal davon aus, dass dieser Punkt bald „Geschichte“ sein wird.
Was sehr schön läuft, ist das Camtasia Dein Mikrofon zusammen mit Deiner iSight Aufnahme auf einen Track legt und Das Bildschirmvideo mit dem Systemton zusammen auf einen anderen.
Der Hauptbildschirm zum bearbeiten, erinnert dann sehr an eine aufgeräumte Videobearbeitungssoftware. Irgendwie kann ich mir nicht helfen, aber das hätte iMovie sein können. Eine ordentliche Timline (unten), eine gute Vorschau (rechts oben) und eine schöne Medienübersicht (links):
Die Medienübersicht lässt sich auf die Bibliothek (library) umstellen, und darüber hast Du dann zugriff auf Call-Outs. Unterhalb der Medienübersicht kannst Du die Überblendungen und Videoeffekte, sowie Audioeffekte auswählen.
Eine sehr interessante Funktion ist Smart Focus. Hältst Du Deine Maus einige Sekunden still merkt Camtasia das und fügt einen automatischen Zoom für Dich ein. Dafür brauchst Du eine gewisse Menge Grundmaterial, aber es funktioniert erstaunlich gut. Diese SmartFocus Einträge lassen sich dann relativ einfach bearbeiten und bieten so gute Vorarbeit. Nicht immer ist man mit dem genauem Zoom-Faktor zufrieden, oder man möchte noch ein wenig am Ausschnitt basteln, aber es klappt erstaunlich gut. Wer sich nur auf den SmartFocus verlässt, bekommt sicherlich ein “Kraut & Rüben”-Ergebnis, aber man soll ja noch nachbearbeiten.
Um den SmartFocus anzuwenden muss man den Effekt übrigens nur auf das Video in der Timeline ziehen, oder auf das Video in der Vorschau – beides geht.. Super einfach gemacht. Und so funktionieren viele Effekte. Ein anderer Effekt, den ich absolut mag „Restore“ – damit holst Du Dir Dein Video wieder auf die Ausgangsparameter zurück. Super einfach und super genial.
Verfügbare Überblendungen (Transitions)
Fade In/Out
Fly In/Out
Rotate In/Out
Slide In/Out
Zoom In/Out
Ich glaube da muss man nicht viel sagen – wenn Du zwei kleinere Clips hast, kann man die so gut überblenden lassen. Das funktioniert alles so, wie man es will und bei Screencasts, wie bei jedem anderen Video gilt eh, weniger ist mehr!
Verfügbare Filter
Color Adjustment
Colorize
Drop Schadow
Glow
Reflection
Window Spotlight
So Dinge wie Drop Schadow und Reflection sind bestimt schön, wenn man an einem Projekt für eine Webseite arbeitet, so diese Effekte schön aussehen, für mich sind sie leider nichts, da man sie allerdings auch auf andere Dinge, wie Call-Outs anwenden kann, sind sie halt doch sehr nützlich. Toll finde ich jedoch das Window Spotlight.
Ihr erinnert Euch ich hatte mich beschwert, dass man keinen Bildausschnitt wählen kann. Mit Window Spotlight wird das Fenster in den Vordergrund „gehoben“ indem alles andere darum herum unscharf wird.
Das ganze wird aber noch „Cooler“, denn Du kannst so ein Fensterchen nachträglich auch noch größer machen. In unserem Beispiel mit Awaken ist es recht klein. Über einen Slider auf der rechten Seite kannst Du das eine Fenster dann auch nachträglich reinzoomen, auch wenn der Rest des Desktops so bleibt, wie er ist. Fragt mich nicht, wie die Leute bei Techsmith das machen, aber das ist einfach genial.
In diesem Screenshot seht Ihr das eigentlich sehr gut. Mein gesamter Desktop ist unscharf, während das kleine Awaken Fenster absolut scharf zu sehen ist. Der Nutzer kann sich jetzt also sofort auf die Aktivität in einem eigentlich sehr kleinem Fenster (meinetwegen einem Einstellungsfenster) konzentrieren.
Bei den Actions gibt es so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann. Zum einen also der Smart Focus, den ich ja bereits erwähnt habe. Man kann auch einen Smart Focus zu einer bestimmten Zeit wählen.
Wer will kann auch noch aus folgenden wählen:
Fade In
Fade Out
Flip Horizontally
Flip Vertically
Restore
Smart Foucs
Smart Focus at Time
Spin
Zoom In
Zoom Out
Es bleiben also keine Wünsche über. Die Videoeinstellungen erlauben übrigens super viel Kontrolle über die Ausrichtung des Videos.
Da kann man nach Herzenlust das Video in allen drei Dimensionen drehen und wer sich fragt, ob man so was braucht, der sollte sich auf jeden Fall einmal die Screencasts für MailChimp ansehen (http://www.mailchimp.com/support/videos/). Eigentlich vollkommen egal, was MailChimp ist – die Leute, die für MailChimp die Videos gemacht haben, wissen worauf es ankommt und da seht Ihr dann auch, warum diese Kontrolle wertvoll sein kann und wertvoll ist!
Auch mit dem Ton könnt Ihr „spielen“ – hier die Audio-Effekte:
Audio Fade In/Out
Custom Audio Action
Lower Volume
Raise Volume
Das ganze funktioniert übrigens wieder total gut.
Für alle Effekte gilt, dass Sie einen Anfang- und einen Endpunkt haben, wie Du hier sehen kannst. Wenn Du also Kontrolle über einen Punkt haben willst, dann musst Du lediglich auf den Punkt klicken und sicherstellen, dass die Properties angezeigt werden.
Tja, dann hast Du so viel Kontrolle, wie Du Dir überhaupt nur wünschen kannst. Im obigen Screenshot fällt Dir vielleichta uf, dass da noch eine kleine blaue Linie am oberen Rand der Timeline gezeigt wird. Das ist für Dich ein visueller Hinweis, dass sich hier noch ein Effekt verbirgt. Video-Effekte sind wohl gelblich, Audio-Effekte bläulich und so hast Du bestimmte jede Menge Spaß mit den Einstellungen.
Etwas was mir anfänglich so gar nicht gefallen wollte war die Art und Weise, wie man das Bild zoomt. Mein anfänglicher Ärger mit der Funktion hatte viel damit zu tun, dass ich die „Scale“ Einstellung in den Properties nicht richtig verstanden und gesehen hatte und zum anderen, dass ich durch Camtasia Studio ein wenig betriebsblind war. Ich erkläre Euch das ganz kurz.
Hier ein Teil Screen-Shot aus Camtasia Studio für Windows, ich bin gerade dabei meine Zoom & Pan Effekte zu bearbeiten. Auf der linken Seite seht Ihr ein Arbeitsfenster, auf der rchten das Voschaufenster. Wenn ich in Camtasia Studio einen Zoom-Punkt bearbeiten will, greif ich mir das grüne Rechteck, zieh es auf die passende Größe und schieb es in der Übersicht an den richtigen Punkt – und geschafft, mein Zoompunkt ist angepasst. Wenn ich will kann ich der Liste einen Zoom-Punkt nach dem anderen abarbeiten.
Hier nun ein Screen-Shot aus Camtasia:Mac. Hier geschieht die Bearbeitung im Vorschaufenster. Du sieht am hellen Bildbereich, dass es der Bereich ist, der Verwendet wird. Der graue Bereich existiert, wird allerdings nicht verwendet. Ich kann jetzt hin und herschieben, bis ich die richtige Position habe.
Was auf den ersten Blick jedoch ein wenig unübersichtlicher ist, ist wenn Du eben nicht an einem der Eckpunkte reingezoomt hast, denn jetzt sind die Resize-Handle weg. Du siehst zwar Deinen Bildbereich, aber so 100% weißt Du halt nicht, wo Du jetzt genau auf der Seite bist.
Das haben die Leute bei Techsmith also bei der Windows Version besser gemacht. Zu erst dachte ich aber, dass es an der Kontrolle fehlt und dem ist einfach nicht so. Du hast ja links den Scale-Slider. Also selbst wenn Du die Resize-Handles nicht hast, kannst Du die Größe noch verändern und sicherlich gut arbeiten.
Also das Problem ist gar kein so großes Problem und Ärgernis, wie ich es am Anfang dachte, ein Großteil meines Problems hatte damit zu tun, dass ich einfach ein wenig Betriebsblind war. Ein anderer Teil des Problems, well der geht nicht weg und bleibt – aber ein großes Problem ist das nicht.
Ein echtes Problem sind dagegen die Call-Outs. In Camtasia Studio für Windows sind Call-Outs bereits mehr also nur gewöhnungsbedürftig, aber in Camtasia:Mac versteh ich da teilweise die Welt nicht mehr.
Hier ein Beispiel:
Ich habe also aus der Library die Auswahl aus einigen Call-Outs, so DInge, wie Pfeile, Curved Arrow, Speech Bubbles und so weiter. Die sind auf den ersten Blick auch sehr schön, auch wenn mir das Grau nicht wirklich gefallen will – sie sind nicht hässlich.
Die Call-Outs haben jedoch zwei Probleme:
Selbst in einer Speech-Bubble kannst Du keinen Texte einfügen. Es geht nicht. Was Du dun kannst ist einen zweiten Text-Call-Out hinzuzufügen und drüber zu legen, aber Du hast keine einfache Möglichkeit einen Text hinzuzufügen.
Beim Verändern der Dimensionen ist Camtasia:Mac sehr störrisch. Egal an welchem der Punkt Du ziehst, das Call-Out verändert sich immer nur proportional. Gut das kann ich an den Eckpunkten verstehen, aber wer die Punkte dazwischen angreift will ja meist “stauchen”. Im Ende geht auch das, selbstverständlich, einfach die Umschalttaste drücken. Aber schöner wäre es schon, wenn die Eckpunkte proportional wären und die Punkte dazwischen es erlauben würden zu stauchen. Aber auch hier gewöhnt man sich sicher dran.
Die Call-Outs kannst Du übrigens auch farblich verändern. Einfach rechts drauf klicken und den Colorize Effekt und Color Adjustment hinzufügen und Du kannst den Call-Out fast nach Herzenslust verändern. Das könnte zwar auch einfacher sein, aber es geht schon sehr gut.
Und letztlich, ich will eine Funktion aus der Windows-Welt – nämlich einen Flash-Hotspot. Ein Flash-Hotspot ist im Prinzip nichts anders als die Möglichkeit ein wenig Interaktion in das Projekt einfliessen zu lassen. Der Flash-Hotspot kann transparent sein, oder mit einem Call-Out assoziiert sein, das ist gar nicht so wichtig. Wenn Du drauf klickst führt das gute Stück eine Aktion aus. Entweder er springt im Video weiter, oder er öffnet eine Webseite. Das braucht man bestimmt nicht täglich, aber es hilft gerade Firmen dafür zu sorgen, dass die Firmen-URL auch „aktiv“ ist und nicht nur passiv angezeigt wird. Im Ende kannst Du dann so was blödes sagen wie – um mehr Informationen zu erhalten, klicken Sie einfach auf den Link im Video
Aber auch Wünsche darf man haben.
Und das beste haben wir ja noch gar nicht besprochen! Die Export-Funktion: Camtasia:Mac kann direkt nach YouTube, aber auch Screencast.com exportieren. Zwei sehr, sehr nützliche Export-Möglichkeiten, im Besonderen Screencast.com, das für geringe Nutzer kostenlos ist und ansonsten nach Bedürfnis des Nutzers angepasst werden kann.
Aber man darf selbstverständlich auch auf die Festplatte exportieren und dann bekommt man, wenn man es denn wünscht, natürlich auch den passenden HTML-Code mitgeliefert. Sehr schön!
Eine erweiterte Export-Funktion lässt mir mehr Möglichkeiten, als ich verstehen würde und die Ergebnisse mit den Presets sind wirklich sehr ordentlich.
Fazit:
Am Anfang war ich ein wenig „underwhelmed“ bei Camtasia:Mac, aber je mehr ich mich mit Camtasia:Mac befasst habe, desto mehr wurde diese App für mich zu einem mächtigen Tool. Eine Review zu schreiben, hilft dabei eindeutig, denn nicht alles war für mich intuitiv, aber wenn es geht, ist es OK. Camtasia:Mac hat das kleine Bruder-Syndrom, man erwartet plötzlich Dinge von der App, nur weil man sie aus Windows kennt. Wenn man sich von dem Bedürfnis befreit, ständig vergleichen zu müssen, oder einfach akzeptiert, dass anders auch gut ist, dann stellt man plötzlich fest, wie eigenständig gut eine Software ist. Und diese Software ist sehr gut!
Ich bin der festen Überzeugung, dass für eine erste Version Camtasia:Mac viele Nutzer mehr als nur glücklich machen wird. Ich habe auf meinem Rechner nur noch iShowU 1.75 und Screenflick 1.6.12 zu Vergleich, und keines der anderen Apps kann mithalten. Der echte Konkurrent ist jedoch Screenflow, das z.b. Don McAllister von ScreenCastsOnline.com verwendet.
Was ich mir aus Screenflick für Camtasia wünschen würde, wäre die Möglichkeit die Tastaturkürzel, die man eingegeben hat, anzeigen zu lassen. Was ich mir aus sowohl iShowU und Screenflick wünschen würde, wäre die Möglichkeit einen Bildschirmbereich auswählen zu können, den ich aufnehmen will.
Aber im Großen und Ganzen hat diese App nicht nur sehr viel Potential, sondern auch sehr überzeugt und bekommt daher 4 von 5 Punkten. Ihr erinnert Euch, 4 von 5 ist bei MacTopics.de ein sehr gut!

| Print article | This entry was posted by Claus on 2009/10/31 at 08:41, and is filed under Computer, Software. Follow any responses to this post through RSS 2.0. You can leave a response or trackback from your own site. |











