ReelDirector – Videoschnitt auf dem iPhone (oder „iMovie“ fürs 3GS)

Als Steve Jobs das iPhone 4 vorstellte, stellte er auch iMovie fürs iPhone (€3.99 im AppStore) vor. Leider gibt es iMovie fürs iPhone nur fürs iPhone 4 und somit sind alle Nutzer eines 3GS weiterhin dazu verdammt Ihre Videos am Computer zu schneiden. Oder?

Mit ReelDirector gibt es schon seit langem eine App fürs iPhone, die es Dir erlaubt mit deinem 3GS (aber selbstverständlich auch dem iPhone 4 oder dem iPad) Videos zu schneiden, mit Titeln zu versehen, einen Soundtrack zu hinterlegen und dann zu exportieren.

Aber taugt die App auf dem 3GS überhaupt was? Und ist ReelDirector die €2,99 überhaupt wert, die es im AppStore kostet?

Zum Wert habe ich ja immer eine ganz einfache Meinung. Ein Whopper beim Burger King kostet mehr und so sind €2,99 sicherlich nicht zu teuer, wenn die App erfüllt was sie verspricht. Und das kann ich dann auch schon gleich vorweg sagen, sie tut es :)

  

Wenn Du die App aufmachst wirst Du mit einem einfachen „My Projects“ Bildschirm begrüßt. Hier kannst Du neue Projekte anlegen, oder bestehende Projekte bearbeiten. Wenn Du ein neues Projekt hinzufügst, musst Du einige Grundeinstellungen wählen, z.B. ob Du einen Title am Anfang oder Ende möchtest und welche Schriftart und Style dieser haben soll. Eine Standardüberblendung kannst Du auswählen und natürlich die Qualität. Ob das „Re-Encode All Clips“ einen Mehrwert bietet, weiß ich nicht, aber es ist standardmäßig auf aus.

  

Um ein neues Video Deinem Projekt zuzufügen, klickst Du dann einfach das Plus oben rechts in der Ecke und Du kannst dann auswählen, was Du nutzen möchtest – mit am einfachsten ist es sicherlich einfach aus der Camera Roll auszuwählen, denn hier werden sich die meisten Videos befinden. Wenn Du Musik verwenden möchtest, musst Du diese erst in die App reinladen, denn einen Zugriff auf die Musik im iPod ist Apps bei Apple nicht erlaubt.

Im Fall von ReelDirector geht das über ein Web-Interface, dass Du über eine IP Adresse erreichst, die Dir zum Glück mitgeteilt wird. In meinem Fall war es http://192.168.10.115:8080, aber das liegt natürlich an Deinem Netzwerk. Das eigentliche hochladen war dann super einfach. Über einen Knopf wählst Du die Musikstücke aus, die importiert werden sollen, mit einem anderen lädst Du diese hoch. Nicht schön, aber effizient. Von Apple wünschte ich mir dann jedoch doch, dass Apps auf den iPod und dessen Musik zugreifen dürfen…

  

Wenn Du einen Clip anklickst, bekommst Du ein Overlay, dass Dir die Möglichkeiten anzeigt, von links nach rechts – Abspielen des Clips (ohne Veränderungen), Anpassung des Tons (Lautstärkre, Fade-In, Fade-Out), Titel, Trimmen oder Splitten, entfernen, Einblende-Übergang, Ausblende-Übergang und Beschneiden.

Das Beschneiden klappt übrigens ganz ordentlich mit einem ganz normalen Pinch & Zoom Bewegung und in meinem Video half es mir auf den Tacho zu zoomen und das Lenkrad dabei zu entfernen. Einfacher geht es nicht. Das Trimmen empfand ich am Anfang ein wenig komplizierter, man setzt Start und Endpunkt, aber wozu das kleine „Rad“ unten in der Mitte dient, habe ich nicht wirklich rausgefunden – das steht noch auf meiner Entdeckungsliste…

  

Bei den Titeln erlaubt Dir ReelEditor erstaunlich viel Kontrolle. Es gibt immer einen Haupttitel und einen Untertitel. Ein wenig blöd gemacht, dort wo Subtitle steht, musst Du diesen rausnehmen, wenn Du diesen nicht wünschst, ansonsten steht in Deinem Video „Subtitle“. Bei der Schriftgröße und den Schriften kann man sich nicht viel mehr wünschen, wenn man bedenkt, dass Dir auf dem iPhone einfach nicht so viele Schriften zur Verfügung stehen. Fast schon genial, finde ich die Einstellungen zu „Style“. Die Position ist anhand eines einfachen Rasters schnell gewählt, der Stil anhand der Vorschaugrafiken schnell gewählt und damit man sich vorstellen kann, wie das dann alles aussehen würde, gibt es noch eine kombinierte Vorschau mit der Golden Gate Bridge. Bei diesen Möglichkeiten sieht man, wie viele gute Gedanken sich die Leute gemacht haben.

 

Auch die Auswahlmöglichkeiten für die Überblendungen sind gut überdacht und schön veranschaulicht. Wenn Du einen Eintrag auswählst, bekommst Du eine schöne Vorschau, die diesen wieder veranschaulicht. Leider ist die ganze App nur auf Englisch verfügbar, was es dem Otto-Normal-Nutzer wohl ein wenig schwerer macht, als nötig.

Wenn Du fertig bist, musst Du Dein Projekt Rendern und das dauert, wie auf dem größten Computer ne ganze Weile. Das 3GS ist natürlich nicht das Prozessor-stärkste Telefon der Welt und so dauerte mein 1:18 Minuten Video weit über 10 Minuten zum Rendern, also nichts für Leute, die es eilig haben und nichts für Leute, die 10 Minuten oder mehr zusammenschneiden wollen.

Beim Export bleibt Dir nur die Möglichkeit das Video per eMail zu senden, oder in ein Fotoalbum herunter zuladen. Das klappt dann auch gut und kommt in guter Qualität an. Wenn Du das Video direkt aus dem Fotoalbum zu YouTube lädst leidet die Qualität merklich, mein Beispielvideo kommt daher über den Computer zu Euch.

Fazit:

ReelDirector leistet was es verspricht und hat alle Funktionen gut überdacht eingebunden. Um ein kleines Video zusammenzuschneiden ist das Produkt genau richtig und es macht sogar richtig Spaß. Das Rendern dauert seite Zeit und verbraucht ordentlich Rechenleistung, das Telefon wird richtig warm und die Batterie nimmt sehr schnell ab.

Wünsche an die App sind, dass sie auf Deutsch übersetzt werden sollte und einen direkten YouTube Export zur Verfügung stellen sollte, der nicht noch mal komprimiert und dadurch die eh schon schlechte Qualität der iPhone 3GS Kamera noch verschlechtert.

iMovie fürs iPhone 4 kann mit kleinen Themen punkten, diese sehen toll aus und geben Videos etwas was ReelDirector einfach nicht leisten kann. Für iPhone 4 Besitzer ist die Entscheidung wohl klar, für iPhone 3GS Nutzer – wenn Ihr daran Spaß habt unterwegs ein Video zusammenzuschneiden und bereitzustellen, dann ist das sicherlich ne gute Wahl.

Mir hat ReelDirector Spaß gemacht, alle Funktionen funktionieren einfach, das Geld ist die App allemal wert und ich verstehe einmal mehr nicht, warum Apple das eigene iMovie nur fürs iPhone 4 rausbringt. So bereue ich den Kauf von ReelDirector nicht und werde wohl noch einige Projekte damit angehen.

Kaufemfehlung?

iPhone 4 – Nicht unbedingt, es ist eine gute App, aber iMovie fürs iPhone kann einige Dinge, wie Themen, die sehr interessant sind

iPhone 3GS – Auf jeden Fall!

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Claus Wolf

Seit 1994 im Netz unterwegs und seit 2004 eingefleischter Mac-Nutzer. 21.5" iMac - 2.9GHz Intel Core i5, 16GB RAM, 1TB Fusion Drive HDD / 128GB iPhone 7 / 128GB iPad 9,7" (2017) / 15" MacBook Pro (Mitte 2014) in der Firma...

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