ScreenFlow – Screencast Tool der Extraklasse

Ihr erinnert Euch sicherlich, dass ich im Oktober letzten Jahres ein Programm vorgestellt habe, welches Screencasts besonders einfach machte. Camtasia von TechSmith bekam damals ein wohlverdientes „sehr gut“ von mir. Heute möchte ich Euch an ganz ähnliches Tool vorstellen, welches mit vielen Vorzügen aufwarten kann. ScreenFlow von Telestream macht mich nämlich mindestens genauso glücklich und in vielen Bereichen sogar noch glücklicher.

Die Grundfunktionen der App decken sich fast vollständig mit denen von Camtasia. Es geht darum den Bildschirminhalt des eigenen Rechners als Video aufzunehmen, nachzubearbeiten und dann zu veröffentlichen. Ein Tool, welches eine gute Nachbearbeitung in der App selbst ermöglicht, hat dabei selbstverständlich klare Vorteile.

Leider wird sich in dieser Review immer wieder der Vergleich zu Camtasia aufdrängen, ich hoffe, dass diese Vergleiche nicht zu viele sind, aber ihr werdet auf jeden Fall merken, dass beide Apps sehr gut sind und sehen, wo die Stärken von ScreenFlow sind und sicher auch die eine oder andere Schwäche entdecken. Lest weiter, wenn ihr neugierig geworden seit!

Meine Sitzungen beginnen immer mit dem kleinen Fenster, welches die Aufnahme des Bildschirms möglich macht. Dabei wird immer der gesamte Bildschirm aufgenommen und ich wünschte mir da natürlich sofort die Möglichkeit auch einen kleineren Bildschirmbereich auszuwählen und diesen aufzunehmen.

Neben dem Ton des eigenen Mikrofons und des Computers, lässt sich auch das Video der integrierten iSight-Kamera aufnehmen, oder halt das Bild einer externen Videokamera, die Du an Deinen Mac angeschlossen hast.

Hier fehlt mir wirklich die Aufnahme eines Bildschirmbereichs, auch wenn man später in der Nachbearbeitung den gewünschten Bildbereich reinzoomen kann. Eine Funktion, die Camtasia anbietet.

Nach dem Klick auf den roten Aufnahmeknopf kommt ein Count Down von 5 und dann geht es los. Die Aufnahme lässt sich dann mit CMD+Shift+2 abbrechen und das Ergebnis der eigenen Bemühungen wird im Editor angezeigt und hier zeigt ScreenFlow dann seine Stärken deutlich und lässt Camtasia an vielen Punkten weit hinter sich.

Einige der bemerkenswerten Funktionen verstecken sich in den Aufnahme-Eigenschaften, denn  hier kannst Du für Deinen Mauszeiger einige nützliche Optionen aktivieren, die z.B. beim Klick einen schönen optischen Effekt hinzufügt, oder die Tasteneingaben anzeigt. Das ganze erinnert an eine reduzierte Version von Moueposé von BoinxSoftware, kann aber dennoch stark überzeugen, da man diese Option im Post-Processing hinzufügen kann, sich also nicht schon bei der Aufnahme Gedanken machen muss.

Will man die Funktionen nicht im ganzen Screencast, teilt man die Timeline halt und verändert die Optionen so entsprechend. Schön wäre es natürlich die Option auf den gewünschten Bereich zu ziehen, aber hier haben die Programmierer bei Telestream auf jeden Fall einen dicken Pluspunkt erarbeitet.

Eine Funktion, bei der Camtasia theoretisch die Nase vorne haben sollte, aber praktisch einfach nicht mithalten kann, ist die Funktion einen Text im Video einzublenden. Camtasia hat hierfür ein eigenes Text-Tool und ein Tool, mit dem man Sprechblasen und Quadrate und sonstiges einfügen kann, aber hier frustriert man die Nutzer, weil man erst ein Rechteck ziehen muss und dann den Text über das Rechteck legt.

ScreenFlow hingegen versucht es mit einer einzigen, dafür sehr gut implementierten, Funktion. Man kann ein Textfeld hinzufügen und dann auf der Timeline frei positionieren und dann seinen Text eingeben. Das Resultat hat dann nett abgerundete Ecken, und gut dimensionierten Text.

Gelbe Hilfslinien sorgen dann dafür, dass man den Text gut auf dem Video positionieren kann. Gut gelöst und sehr praktisch.

Ebenfalls sehr toll ist die „Übergang-Aktion“, die in Wirklichkeit eher ein Highlight ermöglicht. Mit dieser Funktion kann man einen runden Bereich um den Mauszeiger highlighten, oder gar das Fenster im Vordergrund highlighten und den Hintgergrund unscharf darstellen.

Ich persönlich finde besonders die Funktion des Highlights um den Mauszeiger sehr praktisch, da man diese mit einem Zoom kombinieren kann und so das Auge des Nutzer auch auf kleinere Bildschirmbereiche sehr gut fokussieren kann. Der Effekt wird hier sehr schön über den Zeitstrahl des Videos gelegt und lässt sich somit gut in der Dauer anpassen.

In den Videoeigenschaften kann man all die Dinge tun, die einen Screencast interessanger werden lassen. Hier kann man z.B. das Video reinzoomen oder rauszoomen lassen, kann das Video in alle möglichen Richtungen Drehen (3-Dimensional) oder die Deckkraft anpassen. Hat man das Video kleingezoomt könnte man eine Reflexion oder einen Schatten hinzufügen und sonst noch allerhand Schindluder mit dem Video treiben. Hier bleiben nur wenige Wünsche offen, und ganz ehrlich, ich habe nichts vermisst, was so ein Tool können sollte.

Eine andere Funktion, die mächtig gut versteckt ist, sind die Übergänge. Hat man ein Videogeteilt, oder zwei Videoclips eingefügt, möchte man diese unter Umständen mit einem schönem Übergang ansehnlicher verbinden. Und hier ist eine weitere Stärke von Screenflow, denn der richtige Übergang kann bei Schnitten für den Zuschauer einen großen Unterschied machen.

Der Export zeigt sich dann auch wieder sehr angemessen. Mit einer guten YouTube Anbindung sind die Videos sofort online, oder man kann sich ein „Flash-Video“ auf den eigenen Rechner speichern lassen und wer ein wenig mehr Kontrolle sucht, wählt Ablage > Export und wählt aus verschiedenen Presets aus, und kann diese auch gerne mit vollen QuickTime Optionen anpassen.

Fazit

Natürlich hat auch ScreenFlow die eine oder andere Ecke, die noch ein wenig mehr Arbeit bräuchte, aber im Großen und Ganzen lässt die App Screencastern keine großen Wünsche aufkommen. Lediglich die Möglichkeit einen roten Rahmen um einen Bereich zu ziehen oder die Möglichkeit lediglich einen Bildschirmbereich aufzuzeichnen kommen mir in den Sinn. Ansonsten kommt die App mehr als nur professionell daher und überzeugt mit sehr gut implementierten und überdachten Funktionen.

Die App verdient ein sehr gut und ist fast schon genial. In dem knappen Monat in dem ich die App testen durfte hat sie Camtasia bei mir völlig verdrängt, ich möchte fast sagen, dass es diese App ist, an der sich andere Screencasting Apps messen lassen müssen!

ScreenFlow gibt es für US$ 99 bei Telestream auf der Webseite, ein kostenloser Trial steht zur Verfügung und mehr Informationen gibt es unter http://www.telestream.net/screen-flow/overview.htm. Im deutschen Mac App Store gibt es ScreenFlow für €79

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Claus Wolf

Seit 1994 im Netz unterwegs und seit 2004 eingefleischter Mac-Nutzer. 21.5" iMac - 2.9GHz Intel Core i5, 16GB RAM, 1TB Fusion Drive HDD / 128GB iPhone 7 / 128GB iPad 9,7" (2017) / 15" MacBook Pro (Mitte 2014) in der Firma...

2 Antworten

  1. Franz Weiler sagt:

    Darf ich hier noch ein weiteres Tool empfehlen? Ich nutze den Apowersoft Bildschirmrecorder. Auch ein super Tool mit dem ich meinen Bildschirm und den Sound aufnehmen (System, Mikro o. beides) kann und sogar waehrend der Aufnahme Anmerkungen und Zeichnungen hinzufuegen kann. Die Jahresversion hat mich glaube ich knappe 30 EUR gekostet, es gibt allerdings auch ein passendens Online Tool vom gleichen Anbieter. Ist das probieren definitiv wert!

  1. 21. September 2016

    […] Screenflow bietet Mac Anwendern seit 2008 ein hervorragendes Tool zur Aufnahme und Bearbeitung von Screencasts. Die aktuelle Version 6.0 bietet einen ähnlich großen Funktionsumfang wie Camtasia für Mac. http://www.mactopics.de/2011/03/06/screenflow-screencast-tool-der-extraklasse/ […]

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