XiaoMi A1 – Eindrücke aus dem Alltag

Seit ein paar Wochen nutze ich das XiaoMi A1 nun als mein „Alltags-Arbeits-Telefon“. Was mir dabei aufgefallen ist, was ich vom iPhone vermisse, oder was besser ist, das versuche ich hier einmal zusammenzutragen. Leicht fällt das nicht, denn ein Telefon für unter €200 mit einem Telefon für deutlich über €600 zu vergleichen, ist ein wenig wie Äpfel und Birnen vergleichen ;)

Der Form-Faktor

Im Vergleich zum iPhone 7 ist das XiaoMi A1 deutlich größer, um genau zu sein ca. 17mm höher und 8,7mm breiter. Was auf den ersten Blick sich nach nicht viel anhört, ist bei der täglichen Nutzung eine beachtlich. Dabei fällt es mir nicht leicht, die Größte als Vor- oder Nachteil zu beschreiben, im Ende ist es ein sowohl als auch.

Möchte man eMails lesen und beantworten, oder auch nur im Web surfen, dann kommt der zusätzliche Platz immer gelegen. Es macht einfach Spaß mehr Platz zu haben – sofern dieser von einer App auch tatsächlich genutzt wird.

Möchte ich jedoch das Telefon mit einer Hand bedienen, dann wird die zusätzliche Größe schnell zum echten Problem. Bei Android One sitzen die Navigations-Schaltflächen oft am oberen Ende des Bildschirms, während sich viele iOS Entwickler dazu entschieden haben, diese ans untere Ende zu setzen. Ein schönes Beispiel ist hier Facebook:

Das führt dazu, dass diese Bedienelemente nur schwer mit einer Hand zu erreichen sind und so wird der Vorteil der zusätzlichen Größe schnell zum Nachteil. Weiterhin fällt auf, dass viele Apps den zusätzlichen Platz gar nicht wirklich gut nutzen. Ich habe in den Screenshots oben bewußt die Inhalte entfernt. Wären diese jedoch zu sehen gewesen, dann wäre Euch aufgefallen, dass das größere Display vom XiaoMi A1 hier keinen Vorteil bietet, da genau die selbe Menge an Information angezeigt wird. Meine Augen finden es trotzdem schön, denn manchmal ist größer tatsächlich besser, besonders wenn man etwas lesen will.

Auch für die Tatstatur bleibt mehr Platz und zusammen mit der „Swipe-Tastatur“ ist das eine sehr angenehme Art eMails zu beantworten. Der Punkt, sofern es denn welche gäbe, würde hier also an beide Telefone gehen.

Nur wenn man die Frage stellt, ob das Telefon leicht in die Hosentasche passt, dann ginge der Punkt ganz deutlich ans kleinere iPhone 7.

Der Google-Faktor

Android One ist ein reines Android, das regelmäßige Sicherheitsupdates erfährt und hoffentlich bald auch noch ein Upgrade auf die neuste Android-Version mit dem leckeren Namen „Pie“ erhalten wird. Die Tatsache, dass man hier ein Telefon mit echtem Android hat, gibt mir ein besseres Gefühl. XiaoMi hat lediglich zwei Apps installiert. Eine App ist für das Kunden-Feedback da und die andere macht aus dem Telefon eine universelle Infrarot-Fernbedienung.

Im Ende machen Googles allwissende Eingriffe in Dein Leben aber auch Spaß. Man steht am Bahnhof in Darmstadt und Google bietet die Abfahrtzeiten für die Züge an. Jetzt wollte ich in dem Beispiel zwar mit dem Airliner (Bus) zum Flughafen, aber ganz so „picky“ sollte ich nicht sein – das ist schon ganz große Klasse, gerade, wenn man wo ist, wo man sich nicht so toll auskennt. Super tolle Funktion – zweifelsohne!

Zeitgleich merkt man aber auch immer wieder, wer sich ins Google-System, ohne große Anpassungen der Einstellungen zur Privatsphäre begibt, der wird zum Datenlieferanten für die unterschiedlichen Google-Dienste. So fühlt man sich schnell transparent und wird auch schon mal ein wenig genervt, ob man nicht Bilder von Orten, die man besucht hat, mit der Community teilen will. Dabei zeigt sich die App nicht sehr lernwillig und schlägt immer wieder Bilder vor, die man zuvor übersprang.

Aus Spaß habe ich gerade einmal meine Timeline geschaut und Google erkennt perfekt, dass ich am Freitag um 04:51 das Haus verlassen habe und um 09:05 in Augsburg ins Büro „eingefallen“ bin. Abends um 19:14 war ich dann wieder zu Hause. Dabei schlägt Google zwar in Augsburg die falsche Firma vor, aber hat mich im richtigen Gebäude lokalisiert und später weiß Google genau, wann ich im Zug nach Hause saß und welche Strecke der Zug genommen hat. Spooky – die Zugstrecke stimmt perfekt: Augsburg – Ulm – Stuttgart – Mannheim – Frankfurt…  dabei habe ich die Maps-App während der Fahrt gar nicht verwendet, lediglich eMails (auch private) hab ich beantwortet und die eine oder andere Websuche gingen auf mein Konto. Mit all den Daten wäre es für Google jetzt sicherlich ein leichtes den Zugfahrplan der DB abzugleichen, um gleich noch festzustellen, in welchem ICE ich nun genau saß. Ich denk besser nicht drüber nach ;)

Schaut mal unter https://www.imore.com/android-sucks-10x-more-data-iphone für ein nettes Video, dass die Frage beleuchtet.

Der Google-Faktor ist also wieder so ein Ding, bei dem ich mir einfach nicht sicher bin. Würde Google nicht schauen, wo ich bin, könnte man mir keine maßgeschneiderten Empfehlungen geben. Diese sind cool, nützlich, gut durchdacht und meist dezent und unaufdringlich und trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl, denn auch Google hat nichts zu verschenken.

Im Ende bin ich jedoch durchaus selbst schuld, denn ich habe mir noch nicht die Mühe gemacht die Einstellungen zur Privatsphäre richtig durchzuschauen. Das werde ich aber bald machen…

Qualität der Apps

Mein Arbeitsalltag ist nicht annähernd so spannend, wie man denken möchte. Ich brauche also nicht so viele Apps und mir reicht es, wenn wenn Outlook und der Microsoft Authenticator gut läuft, wenn dann noch der DB Navigator seinen Dienst verrichtet, bin ich schon „glücklich“. All diese Apps laufen gut.

Dem Microsoft Authenticator muss man sogar unter Android einen Pluspunkt geben, denn auf die Notifications kann man sofort antworten und so läuft die VPN durchaus mal eine Winzigkeit schneller. Bedenktlich ist nur, dass man auch „Approve“ klicken kann, bevor man sich per Fingerabdruck oder PIN-Code als berechtigt ausgewiesen hat.

Die Apps, die ich wirklich brauche, gehen also allesamt und dann gibt es für die „Spielereien des Lebens“ noch ganz viele andere Apps, die gut funktionieren. Selbst mein geliebtes 1Password gibt es für Android. Da fehlt mir also nichts.

Die Hardware – 2 SIM karten sind doppelt so gut, wie eine

Das XiaoMi A1 hat in meinem Fall nicht nur 64GB Speicher, 4GB RAM, sondern auch Platz für 2 SIM-Karten. Wer eine zweite SIM-Karte nutzt, der gibt gleichzeitig die Möglichkeit auf den Speicher zu erweitern. Ich war früher aber auch von Zeit zu Zeit im nicht-europäischen Ausland unterwegs. Mit meinem iPhone 7 musste die deutsche SIM-Karte weichen, mit dem XiaoMi dürfte sie drinnen bleiben. Dabei kann man entscheiden, welche SIM-Karte bevorzugt für Daten verwendet wird und in meinem Fall wird vor jedem Anruf gefragt, welche Nummer den aktuellen Anruf übernehmen soll.

2 SIM Karten sind also ein super feature, das wünschte ich mir von einem iPhone. Wird dort aber sicher nie kommen, weil das kein „amerikanisches Problem“ ist, aber der Rest der Welt fände es bestimmt nicht schlecht.

Oh und hatte ich schon erwähnt, dass USB-C eine tolle Erfindung ist ;) Die Mikro-USB Anschlüsse, die man in allerlei Geräten findet treiben mich ja in den Wahnsinn, aber USB-C ist genau so gut, wie ein Lightening-Kabel. Nur besser, denn es handelt sich nicht um einen proprietären Standard.

Telefonieren – geht auch

Fast schon die wichtigste Frage: Und wie telefoniert es sich? Sehr gut kann ich da unumwunden sagen. Dabei muss ich aber auch zugeben, dass ich das iPhone 7 nicht unbedingt mit Höchstnoten fürs Telefonieren überschütten würde.

Beim XiaoMi höre ich Gesprächspartner laut und klar und man bescheinigt mir, dass man mich auch gut höre. Für Konferenzanrufe stecke ich einen Kopfhörer ein und das geht dank des „normalen“ Kopfhörereingangs auch ohne Adapter. Ich kann mich also nicht beklagen und bin bei dieser wichtigen Funktion sehr zufrieden.

Fazit?

Auch nach mehreren Wochen kann ich mich nicht wirklich an ein Fazit wagen. Mein privates iPhone 7 hat für mich den besseren Formfaktor, die Apps und deren Bedienung sind mit vertraut und auch wenn Siri nicht annähernd so zuvorkommend gleich alles empfiehlt, was zum aktuellen Standort passt, macht mir der allwissende „Kamerad Google“ durchaus ordentlich Angst. Ich frag mich wirklich, ob ich so viel Privatsphäre aufgeben will und ob es denn unter iOS wirklich deutlich weniger wäre?

Die Hardware des XiaoMi A1 ist solide, das Betriebssystem ausgereift mit vielen Komfortfunktionen. Gerade bei den Notifikationen macht Google vieles sehr gut und die Swipe-Tastatur ist ein Traum, auch wenn ich ihr bis jetzt so manche Stilblüte verdankte.

Wenn man aber ein Telefon für unter €200 mit einem Telefon vergleicht, dass heute noch mindestens €629 kostet, dann hinkt der Vergleich. Am deutlichsten hinkt er bei der Qualität der Kamera, die zwar gut ist, aber einfach nicht mit dem iPhone 7 mithalten kann.Trotzdem hat die Kamera einen coolen Tiefenschärfen-Effekt, der wirklich sehr schöne Fotos ermöglicht. HDR Fotos sehen hingegen manchmal ein wenig übertrieben künstlich aus.

Verkauf ich das XiaoMi A1 gleich wieder? Ich geb zu, ich hab drüber nachgedacht, aber werde auch in Zukunft das private vom geschäftlichen Telefon trennen und so braucht es ein „zweites Telefon“ und dafür taugt mir das XiaoMi A1 auf jeden Fall.

Claus Wolf

Seit 1994 im Netz unterwegs und seit 2004 eingefleischter Mac-Nutzer. 21.5" iMac - 2.9GHz Intel Core i5, 16GB RAM, 1TB Fusion Drive HDD / 128GB iPhone 7 / 128GB iPad 9,7" (2017) / 15" MacBook Pro (Mitte 2014) in der Firma...

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