Es gibt Erinnerungen und Dinge, die einfach besonders sind. Da ist vielleicht Dein erstes Auto, Dein erster Computer und ganz bestimmt der erste Kuss. Heute möchte ich Euch kurz von meinem ersten Macintosh erzählen, der eigentlich gar nicht meiner war.

Das gute Stück stand auf meinem Schreibtisch im Technischen Support eines Verlags in London. Die Kollegen hatten keine große Lust auf den Macintosh Support, aber ich mochte den „Kleinen“ von Anfang an.

Als ich dann vor einigen Tagen durchs Internet stöberte, fiel ich förmlich über eine Anzeige für einen iMac, der meinem ersten recht nahe kam. Frei nach Andy Ihnatko: Ich habe €70 und ich werde recht schnelle weitere €70 verdienen, schlug ich zu.

Als das Gerät am Freitag ankam, stellte ich es auf, drückte den Einschalter und machte mich darauf gefasst, dass nichts gehen würde, aber alles lief. Mac OS 9.0.4 begrüßte mich mit lustigen Geräuschen, einer „altertümlichen“ Oberfläche, die sich dennoch sofort intuitiv erschliessen liess und ganz viele Erinnerungen weckte. Nach einigen kurze Feinjustierungen, z.B. musste ich in den TCP/IP Einstellugen eine IP Fest vergeben, konnte ich in alten Erinnerungen schwelgen und mich durch die Nutzeroberfläche klicken.

Mit Internet Explorer 5 ging sogar das Internet. Google antwortete auch, nur so ziemlich alle Webseiten sind heute mit https verschlüsselt und so alte Browser, können mit den modernen https-Sites leider gar nicht mehr umgehen.

Somit entschloss ich mich OS X 10.3.2 (Panther) zu installieren und zu hoffen, dass es da schon besser ging. (Das tut es übrigens nicht.) Dabei zerschoss ich die Installation und war am Boden zerstört.

Zum Glück gibt es im Internet eine ganze Anzahl an Foren und Webseiten, die sich mit diesen alten Geräten befassen und so findet man dort allerlei Hilfe und Downloads. Klar, so ganz OK ist das nicht, aber wie soll man sonst an Software für 20 Jahre alte Computer kommen?

Eine der Anleitungen zeigte, wie man man Mac OS 9.2.2 installieren kann. Das nötige ISO bekommt man dort auch und wenn man den Anleitungen folgt, hat man bald wieder ein lauffähiges System.

Interessant ist dabei, dass man so einen alten iMac durchaus von USB booten kann. Dafür muss man zum Einen das ISO auf einen USB-Stick „brennen“ und zum anderen den iMac davon überzeugen, dass er von USB starten will.

Fangen wir mal mit dem ISO auf USB-Stick an – dazu braucht es eigentlich nur 4 Befehle.

diskutil list

sudo diskutil unmountDisk /dev/disk5

sudo dd if=/PFAD_ZUR_ISO_DATEI.iso of=/dev/rdisk5 bs=1m

diskutil eject /dev/disk5

Ganz wichtig – nicht einfach abtippen. Mit dem ersten Befehl findest Du die Bezeichnung für deinen USB Stick. Bei mir war es disk5, bei dir ist es bestimmt etwas anderes. Stell sicher, dass Du die richtige Disk findest, denn der dritte Befehl wird rücksichtslos alles löschen, was sich bereits auf dem Medium befindet! Dass das /dev/rdisk5 steht ist kein Fehler, das r gehört dahin.

Den iMac dann davon zu überzeugen von USB zu booten, war für mich kompliziert. Man muss ins Open Firmware booten ( cmd + option + O + F) und dort einige Befehle eingeben, was nicht unbedingt leichter wird, wenn die Open Firmware nur englische Tastaturen kennt.

Welche Befehle Du brauchst, kannst Du bei MacintoshRepository.org nachlesen. Ich hatte Glück, mein iMac bootete ohne große Probleme den USB Stick und somit Mac OS 9.2.2 und die Anleitung für die nächsten Schritte hätte nicht einfacher sein können.

Als nächstes musste die Firmware aktualisiert werden. Diese gab es wiederum beim MacintoshRepository.org und als besonderen „Gag“ lud ich die Datei direkt vom iMac herunter. Der Seitenbetreiber deaktiviert für so alte Computer das SSL :) und davon musste ich einfach ein Foto machen. Hätte ich schneller geschaltet, hätte ich mit cmd + shift + 3 ein Bildschirmfoto gemacht.

Die Installation von OS X 10.3.2 war dann nicht sonderlich anspruchsvoll. Hier hatte ich CDs und im Ende musste man nur viel Wartezeit einbringen und so hatte ich irgendwann einen voll funktionsfähigen iMac mit OS 9.2.2 und OS X 10.3.2 :)

Du merkst vielleicht, dass in der Menüzeile das Wifi-Signal gezeigt wird. Der iMac hat eine eingebaute AirPort, aber diese alte Karte kann mit modernen WiFi-Sicherheitsverfahren nicht umgehen und somit bleibt eigentlich nur das Netzwerkkabel.

Wer genau hinschaut sieht auch eine Firewire Festplatte und eine Netzwerk-Verbindung (SMB / Samba) und das zeit, wie viel da doch geht!

Im Ende ist es nur eine große Spielerei. Meine älteste Tochter ist 11 und schaute sich das „gute Stück“ verwundert an, staunte nicht schlecht darüber wie schwer und groß so ein CRT Monitor ist und wie heiß der Computer wird.

Als ich dann noch erklärte, dass ihr kleiner Raspberry Pi, der in Ihrem Zimmer seine Dienste tut, mehr Rechenleistung hat, konnte sie das gar nicht wirklich fassen. Ein großer Computer muss doch einfach mehr können, als so ein winzig-kleiner Computer.

Viel Nutzen werde ich aus dem iMac natürlich nicht ziehen können, aber ich werde immer an meine Zeit in London und meine Anfänge mit dem Mac zurückdenken können, wenn ich diesen Computer in meinem Büro sehe.

Und darum geht es ja – Erinnerungen :) Was war Euer erster Mac?


Claus Wolf

Seit 1994 im Netz unterwegs und seit 2004 eingefleischter Mac-Nutzer.

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.