Als eingefleischte macOS Nutzer kennt Ihr sicherlich auch 1Password. Aus meiner Sicht der ultimative Passwort-Manager, der auf macOS, iOS, iPadOS, Windows, Android, Linux & Co läuft. Die App selbst stellte vor einigen Jahren von einem normalen Kaufmodell auf ein Abo-Modell um. Eine Einzelnutzer-Lizenz kostet so US$ 3 / Monat oder US$ 5 für Familien.

Kontroverse?

Vor wenigen Wochen kündigten die Entwickler an, dass man für macOS keine native App mehr entwickeln würde, sondern auf „Electron“ setzen wird. Diese Ankündigung führte zu einer der größten Kontroversen der letzten Zeit und die Mac-Community könnte gespaltener nicht sein. So ziemlich jeder Podcast und Blog verkündete seine Meinung, mal mehr oder weniger deutlich, aber oft basierend auf vielen Annahmen.

Da ich die Preview-Version nicht installiert habe kann mir keine Meinung erlauben. Allison von Podfeet.com schrieb einen recht ausführlichen Bericht bei dem ich oft zustimmend nicken musste, aber halt auch nicht bei allem. Gerade die Kommentaren sind gut geeignet zu zeigen, wie sehr diese Ankündigung Nutzer irritiert hat.

Was ist Electron?

Electron ermöglicht es Entwicklern Apps zu schreiben, die auf JavaScript, HTML & Co aufbauen und auf so ziemlich jedem Betriebssystem laufen. Grob gesagt, der Entwickler entwickelt die Hauptfunktionalität als Webapp einmal und die Einbindung in das Betriebssystem übernimmt dieser OpenSource Framework.

Wer nutzt Electron?

Visual Studio Code, GitHub und Postman setzen bereits auf Electron und alle drei würde ich als gute Apps weiterempfehlen. Wenn auch nicht Mac-Native, erfüllen alle ihren Zweck. Neben diesen Beispielen gibt es noch viele andere solcher Electron Apps für dem Mac.

Aber wie findest Du heraus, was auf Deinem Mac Electron nutzt? Cameron Nokes hat dazu einen guten Blog-Post geschrieben und ein kleines Shell-Script geschrieben, das Du auf deinem Mac ausführen kannst, um die Antwort zu erhalten.

Warum soll Electron schlecht sein?

Electron Apps haben leider nicht den besten Ruf, da diese oft viel RAM und System-Ressourcen fressen und sich auf dem einzelnen Betriebssystemen nicht wirklich „nativ“ anfühlen. Das führt dazu, dass einige Apps, der ganzen Kategorie einen schlechten Ruf verpasst haben.

Was man nicht vergessen darf: Electron sorgt dafür, dass Apps auf Deinem Mac laufen, die sonst wahrscheinlich nicht so schnell – wenn überhaupt – auf den Mac kommen würde. Die Kontroverse hier ist, dass eine App mit einer sehr guten nativen macOS App auf diesen Framework setzen will.

Meine Meinung?

Ich nutze auf meinem privaten Mac nur wenige Electron Apps: Visual Studio Code, GitHub und Postman. Postman ist dabei die App, die am wenigstens auf dem Mac zu Hause zu sein scheint, aber ihren Zweck perfekt erfüllt. Bei der Arbeit mit Visual Studio Code habe ich nicht das Gefühl, dass der Speicherverbrauch zum Problem wird. Meine Erfahrungen mit Electron sind also nicht schlecht, aber auch nicht sonderlich umfangreich.

Als Endnutzer kann ich nur mit meinen Kaufentscheidungen ein Zeichen setzen. Sollte Version 8 von 1Password nicht taugen, dann muss ich mir einen anderen Password-Manager zulegen. Ich bin sowieso der Meinung, dass man seine Kaufentscheidungen, gerade beim Abo-Modell, regelmäßig überprüfen sollte. Habe ich immer noch den selben Nutzen, wie damals, als ich mich für das Abo entschied?

Eine Beta-Version sollte man nicht als das Endprodukt missverstehen. Apple gaukelt uns immer wieder vor, dass dem so wäre, aber Beta-Versionen haben Bugs und verändern sich, auf der Basis des Kunden-Feedbacks. Das Feedback sollte allerdings nicht die Architektur kritisieren, sondern fehlende Funktionen, Bugs & Co betreffen. Das Argument „Alle Electron Apps sind schlecht“ zählt nicht, Funktion X fehlt oder ist nicht gut genug umgesetzt hingegen sicher schon.

Als Endnutzer sollte ich aber auch nicht zu viel von einem Entwickler erwarten. Der Entwickler mag nicht mich, sondern die Einnahmen, die er durch mich hat. Entwickler entwickeln sich aber auch weiter und aus kleinen Startups werden mächtige Unternehmen.

1Password hatte seinen Start auf dem Mac und hat dann immer mehr Betriebssysteme hinzugefügt, nur so konnte die Firma wachsen und das nicht zu knapp. Während also am Anfang die Firma ganz auf macOS und iOS setzte, müssen nun viele Kunden auf unterschiedlichen Systemen bedient werden – das ist sicherlich nicht einfach. Ob Electron nun die beste Lösung ist? Das kann ich nicht wirklich beurteilen.

Eine echte Meinung werde ich wohl erst haben, wenn ich das Endprodukt installiert habe und da etwas fehlt oder nicht geht, was ich unbedingt brauche.

Kleiner Zusatz

Ich selbst entwickle ja auch kleine Helferlein für den Mac und da ich an meinen Nutzern nichts verdiene, kann ich mir eine kleine Ausnahme zu meinen Ausführungen nicht verkneifen. Entwickler, die Ihre Apps verschenken, ohne Werbung oder gemeine Frameworks, die Euch ausspionieren, machen das ganze aus Spaß an der Freude und freuen sich daher über Euer Feedback, das somit zum Lob wird. Trotzdem kann auch so ein Entwickler nicht alles umsetzen…


Claus Wolf

Seit 1994 im Netz unterwegs und seit 2004 eingefleischter Mac-Nutzer.

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